Kamala Harris's Big Tech Connections by New York Times (nytimes.com)
Silicon Valley has enthusiastically backed Ms. Harris since she first ran for state attorney general in California a decade ago.

A crackdown on Big Tech is not a public pillar of [Joe Biden’s] agenda. Of the 46 policy papers listed on the campaign’s website, none directly address his plan for the industry. And employees and allies of the major technology companies are prominent within the nearly 700-person committee advising the campaign on tech policy.

How COVID-19, or Something Like It, Killed Pablo by Kaoru YonekuraKaoru Yonekura (caracaschronicles.com)

Covid-19 in Venezuela – die Geschichte eines Mannes, die Geschichte seines Todes, die Geschichte der Zustände in Venezuela:

Pablo was laid on a board and given free oxygen, and then they almost forgot he existed. His throat was dry, but he was breathing, functioning, no one had realized he was doing something worse than being dead: he was dying. The woman two beds away from him died begging for her life, while the hospital waited for her death.

What the Pandemic Looks Like in the World’s ‘Ungoverned Spaces’ by Claire Mcloughlin (worldpoliticsreview.com)

Unregierte Räume gibt es viele: Die Gebiete indigener Völker zum Beispiel, die informell verwalteten Regionen Somalias oder Afghanistans, die von Kartellen kontrollierten Gegenden Mexikos. Streng genommen sind sie nicht unregiert, sondern eben nur weitestgehend nicht vom Staat.

Covid-19, das zeigt dieses Essay, kann diese Strukturen stärken – zum Beispiel, wenn Drogenkartelle Medikamente verteilen oder inoffizielle Autoritäten die Corona-Regeln definieren. Oder wenn die Bevölkerung staatlichen Behörden aufgrund des Misstrauens keinen Zutritt gewährt. Diese Entwicklungen beeinflussen wiederum ganz unmittelbar, wie sich ein Land, eine Region, eine Community in den nächsten Jahren orientieren. Wer also die Herrschaft über den unregierten Raum hat.

Would breaking up 'big tech' work? What would? by Benedict Evans ([object Object])

Das Argument rund um Technologie-Konzerne läuft in Deutschland meistens so: „Ich finde, man sollte die Tech-Firmen zerschlagen.“ Details bleiben in der Regel aus. WIE die Zerschlagung aussehen soll, ist dabei genauso vage wie die Frage, WAS damit erreicht werden soll: Eine stärkere Distribution von Daten? Von Kunden-Wahlmöglichkeiten? Wer sind überhaupt die Kunden – Nutzer oder Werbekunden?

Benedict Evans nimmt genau das Problem auf: Er argumentiert zum Beispiel, dass die Aufspaltung von AT&T (1980er in den USA( in regionale Telefongesellschaften nicht zu mehr Auswahl geführt hätte. Wichtiger Punkt – denn eine „Gesundung des Marktes“ kann am besten gelingen, wenn sie auf einem Ökosystem ähnliche Voraussetzungen stattfindet. Allerdings lag das im „wie“ der regionalen Aufspaltung, nicht im „dass“.

Aber um auf das ideal eines flachen Ökosystem zurückzukommen: Wie ist das angesichts von Datenmengen, R&D in Machine Learning etc. der Großtechnologiekonzerne überhaupt möglich? Eine knifflige Frage (ein Projekt, das ich gerade angehe: Regulierungsvorschläge sammeln und vergleichen).

P.S.: Zum Thema Eigentumsstrukturen, das indirekt damit zusammenhängt, habe ich vor längerer Zeit hier einmal etwas geschrieben:

Eigentumsstrukturen

The Vaccine Struggle by Peter ZeihanPeter Zeihan (zeihan.com)

Peter Zeihan über die komplexe Aufgabe der Corona-Impfstoffentwicklung. Je nach Impfstoff und Szenario (regelmäßige Nachimpfung nötig?) tauchen Faktoren auf, die zu berücksichtigen sind – Kühlketten, notwendige Spritzen-Produktion, globale Verteilung etc, Kein Experten-Stück, aber ein guter Einblick. Ergänzend verweise ich auf den Economist-Hinweis, dass dieses Mega-Projekt eigentlich immer noch unterfinanziert ist.

Philosophers On GPT-3 (updated with replies by GPT-3) by Daily NousDaily Nous (dailynous.com)

Diese kurzen Essays von neun Philosophen und Philosophinnen zur künstlichen Sprachintelligenz GPT-3 machen Lust auf mehr. Beziehungsweise deuten an, dass die Suche kognitiver Kategorien für intelligente Software wie GPT-3 zu den spannendsten Feldern der aktuellen Philosophie werden könnte. Natürlich durch den Komplex „Was ist Intelligenz minus Bewusstsein? Mehr als ein Toaster.“ mit einer kleinen metaphysischen Note versehen.

Als Appetithappen ein Auszug von David Chalmers:

„GPT-3 does not look much like an agent. It does not seem to have goals or preferences beyond completing text, for example. It is more like a chameleon that can take the shape of many different agents. Or perhaps it is an engine that can be used under the hood to drive many agents. But it is then perhaps these systems that we should assess for agency, consciousness, and so on.“

Das Dorf, das Virus und die Studie: Die Heinsberg-Story by Stephan Beuting from deutschlandfunkkultur.de

Im DLF-Feature „Die Heinsberg-Story“ findet sich eine interessante Doppelstruktur mit dem Thema Narrative: Die Heinsberger beschweren sich über die Vorgehensweise der Bild und anderer Medien, konkret über den Voyeurismus und das Narrativ vom ansteckenden Landkreis. Zugleich beschwert sich der Virologe Hendrick Streeck über die Twitter-Rezeption der „Heinsberg-Studie“ – dort stand ja gleich im Raum, das Ganze sei als trojanisches Pferd für das Konzept Herdenimmunität gedacht.

Die Storymachine-Einschaltung war eine Dummheit, sicher, insofern muss man bei der Bewertung von Streecks Beschwerde auch differenzieren. Aber dass es um einfache Geschichten geht, sich dabei Twitter vom Boulevard auch in seinen Methoden des „Vor-sich-her-Treibens“ nicht wesentlich unterscheidet: Das kommt im Feature gut rüber und erklärt auch, warum Twitter inzwischen so unerträglich ist.

For Robots, It’s a Time to Shine (and Maybe Disinfect) by Lisa Prevost (nytimes.com)
The pandemic has turned cleaning and other mundane building tasks into a challenge, stoking interest in machines as cost-effective solutions.

Im Kern dieses Stücks: Fortschreitende Automatisierung durch die Corona-Krise. In diesem Fall im Bereich Gebäudereinigung. Solche Geschichten gibt es aus den USA zuletzt häufiger: Die amerikanischen Schlachtfabriken stellen auf Schlachtroboter um, um Corona-Infektionen und Schließungen zu vermeiden. Abhol-Möglichkeiten für Online-Bestellungen in Supermärkten werden zügig ausgebaut (ein Beispiel für die Backend-Technologie dahinter: Shuttle-Roboter, die aus einem Lager mit ca. 10 000 Artikeln etwa 80 Prozent einer regulären Bestellung innerhalb von fünf Minuten zusammensuchen können).

Social Distancing und das Risiko in Menschenansammlungen werden die Automatisierung in den USA beschleunigen, um fünf Jahre mindestens, würde ich tippen. In Deutschland werden die Trends dann mit einigem zeitlichen Abstand ankommen, sofern sich die Voraussetzungen und Einsparmöglichkeiten ähneln.

How Tim Cook Made Apple His Own ($) by Tripp Mickle (wsj.com)

Das WSJ mit einem längeren Portrait Tim Cooks als Führungskraft. Die Bilanz: Ein vorsichtiger CEO, der auf bestimmte Details fokussiert ist, einen Produktionsketten- statt Produktfokus hat. Mit dem Aktienrückkaufprogramm und üppigen Dividenden hat er auch die konservativsten Investoren befriedet. Chris Deayer, ein ehemaliger Mitarbeiter des R&D-Teams, beschreibt die Firmenstrategie so:

“This is what most people don’t understand: Incremental is revolutionary for Apple. Once they enter a category with a simply elegant solution, they can start charting the course and owning that space. No need to break speed records, just do it organically.”

Die aktuellen Zahlen geben Cook und seiner Strategie seit Jahren recht. Brad Slingerlends fällte jüngst in seinem Newsletter dennoch ein vernichtendes Urteil:

„Tim Cook has taken bold and innovative products, developed over a decade ago by Steve Jobs, and run a risk-averse, 1900’s Industrial Age, MBA playbook focused on squeezing users to create more value for shareholders. Apple today appears to value what Warren Buffett thinks of its share buybacks more than it values what its customers think of its products. In the year 2020, that is the riskiest strategy any CEO could plot for a company.“

Die Staffel „Apple, die riskanten 2020er“ hat längst begonnen. Nicht, weil das Service-Narrativ nicht funktionieren wurde (das tut es, alleine schon ob der schieren Nutzerbasis). Sondern weil Apple der wahrscheinlich exponierteste Konzern im offen ausgetragenen US-China-Konflikt ist.

Poland's Presidential Election: It's the Economy, Stupid by Mitchell Orenstein (fpri.org)

Die polnische Präsidentschaftswahl, analysiert von Mitchell Orenstein vom Foreign Policy Research Institute: Seine Lesart ist kein 50/50-gespaltenes Land, sondern eine PiS, die es mit der Identitätspolitik übertrieben hat und so beinahe die Unterstützung der deutlich größeren Mehrheit verspielt hätte, die sie wegen ihrer Wirtschafts- und Sozialpolitik genießt. Er zitiert auch eine CBOS-Umfrage von 2019 und zieht daraus seine Schlüsse:

– 68 Prozent unterstützen die Gleichberechtigung Homosexueller, sei es aus Toleranz oder Überzeugung.
– Unterschiede zwischen 2013 und 2019: Von einer Oligarchie reden nur noch 13 statt 31 Prozent, die Zahl derer, die von Polen als Mittelschichtsgesellschaft sprechen, hat sich von 14 auf 28 Prozent verdoppelt.
– Die oppositionelle (und europafreundliche) Platforma Obywatelska wird mit ihrer Deregulierung und Rentenalter-Erhöhung in Verbindung gebracht.

Was lässt sich daraus folgern über das Demokratieverständnis in Polen? Orenstein formuliert es als Frage: „Is democracy procedural, about how governmental institutions function? Or substantive, about whether a majority benefits from government policy?“ Letzteres lässt sich auch auf Ungarn anwenden, wo das Vertrauen in die Demokratie in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Die Unterstützung für Demokratie kann, Michael Ignatieff hat darauf einmal hingewiesen, sich auf Elemente wie freie Wahlen beschränken und muss nicht unbedingt die sie stützenden Institutionen wie eine unabhängige Gerichtsbarkeit oder freie Medien einschließen.