Covid-19 is spurring the digitisation of government by The EconomistThe Economist (economist.com)

Der Economist mit einem Rundblick auf die (meist fehlenden) Verwaltungsdigitalisierung und die Folgen während Covid-19. Ein Aspekt, wie bei vielen Corona-Themen: Die Krise hat nicht nur Fehlendes, sondern auch Schwachstellen offengelegt – zum Beispiel digitale Systeme, die für geringe Lasten konzipiert sind und bei größerer Nutzung zusammenbrechen.

The Trump Era Sucks and Needs to Be Over by Matt TaibbiMatt Taibbi ([object Object])
The race is tightening. Is America sure it's ready to give up its addiction to crazy?

The question, “What is Trump thinking?” is the wrong one. He’s not thinking, he’s selling. What’s he selling? Whatever pops into his head. The beauty of politics from his point of view, compared to every other damn thing he’s sold in his life — steaks, ties, pillows, college degrees, chandeliers, hotels, condominiums, wine, eyeglasses, deodorant, perfume (SUCCESS by Trump!), mattresses, etc. — is that there’s no product. The pitch is the product, and you can give different pitches to different people and they all buy.

Es gibt zu wenige Trump-Stücke, die sich zu lesen lohnen- weil oft der Blick auf den Wald von lauter Bäumen versperrt ist. Matt Taibbis Stück empfehle ich. Denn er kommt zurück auf den Kern: Es geht um das Verkaufen von Aufmerksamkeit. Und wir alle sind Abnehmer.

This Is How Biden Loses by George PackerGeorge Packer ([object Object])

Joe Biden ist ein schwacher Kandidat. Es ist zwar übertrieben zu behaupten, er hätte nicht viel mehr als „ist nicht Trump“ zu bieten. Aber es ist näher an der Realität, als es sich viele Demokraten eingestehen wollen.

Sein Vorsprung wird in Umfragen kleiner, allerdings sind solche Momentaufnahmen natürlich stets mit Vorsicht zu genießen. Zumindest aber wäre im Falle eines Trump-Sieges anders als 2016 ein Hauptgrund schnell gefunden: Mit den Protesten und Ausschreitungen kann Trump seinen Konkurrenten auf jenes Spielfeld drängen, das er am besten beherrscht: Recht und Ordnung und Angst.

Wirecard and me: Dan McCrum on exposing a criminal enterprise by Dan McCrumDan McCrum ([object Object])

Longread: Dan McCrum von der Financial Times beschreibt, mit welchen Mitteln Wirecard die journalistische Arbeit behinderte – falsche Spuren, falsche Anschuldigungen, falsche Fälschungsvorwürfe, Avancen mit Bestechungsgeldern. Die Rolle von BaFin und vieler deutscher Wirtschaftsmedien dabei ist bekanntlich kein Ruhmesblatt.

Die kriminelle Energie des/der entsprechenden Wirecard-Verantwortlichen ist natürlich überdurchschnittlich, aber wir sollten uns fragen: Welche Redaktionen werden in fünf Jahren noch das Handwerk und die Kapazitäten haben, solche Recherchen nicht nur durchzuführen, sondern auch die Gegenmaßnahmen abzublocken?

Google Wants to Remix News Radio Just for You by Boone AshworthBoone Ashworth ([object Object])
The company’s latest news product is an ever-replenishing playlist of audio stories—curated, in part, by the wealth of data it has on you.

Frische, Schlagworte, Aufenthaltsort: Das sind die Parameter, aus denen Google für seine Podcast-Software ein personalisiertes Wort-Radio bauen will. Personalisiert im Sinne von: Podcasts, RSS-Radiobeiträge und vorgelesene Artikel zusammengemischt, als 90-minütiger Stream. Weil personalisierte und nach Meinungsvorlieben geclusterte Inhalte bekanntermaßen üüüüberhaupt nichts mit der gesellschaftlichen Polarisierung zu tun haben. Immerhin kann man sich in der Regel darauf verlassen, dass Google ein an Features reiches Produkt vorlegen wird, das niemand verwendet.

COVID-19 and Climate Change Have the Same Root Cause by Bathsheba Demuth ([object Object])

Die Umwelthistorikerin Bathsheba Demuth gehört zu den seltenen Covid-19-Patientinnen, die seit Monaten Fieber haben. Da ihre Schwerpunkt-Forschung in Sibirien stattfindet kommt sie nicht umhin, das permanente Fieber mit dem Hitzesommer in der Arktis zu vergleichen.

Eine ihrer Beobachtung: Die Folgen der Externalisierung von Kosten (Kohleausstoß und Klimaerhitzung, aber auch Instabilität durch Kolonialismus) waren bei den Verursachern einst erst nach vielen Jahren zu spüren. Das hat sich geändert: Der Raum zwischen den Vorteilen des Konsums und den Folgekosten der Produktion ist buchstäblich zusammengeschmolzen. „Was weit weg in der Arktis – oder in China, oder sonstwo – beginnt, bleibt nicht dort. Oder, um es anders auszudrücken: Die selben Dynamiken, die Sibirien erhitzen auch mich.“

Given my time again, I wouldn’t choose journalism by Sarah DitumSarah Ditum ([object Object])

Es liegt im Wesen des traditionell weitestgehend skelettartigen deutschen Medienjournalismus, dass die Krise hierzulande noch unter der Oberfläche stattfindet. Sichtbar wird sie in der Regel nur in den Pressemitteilungen über Spar-, Fusions- und Strategieänderungspläne, deren „Analyse“ sich bei den diversen „Portalen“ meist auf die Umformulierung von Pressemitteilungen beschränkt. Auf jeden wahrgenommenen Branchen-Exit einzelner Journalisten und Journalistinnen kommen vielfache mehr, die sich geräuschlos vollziehen. Rette sich wer kann (oder muss). Und oft gehen genau diejenigen, die nach vorne blicken und die Branche verändern wollten.

In Großbritannien ist der Zusammenbruch weiter fortgeschritten, die Ehrlichkeit größer. Wie Sarah Ditum mit ihrer Abrechnung. Einiges ist speziell britisch, ich halte die Gründe auch für differenzierter. Und: Journalismus muss nicht so sein, wie sie es beschreibt. Aber ich ziehe ihre ehrliche Enttäuschung dem schweigenden Achselzucken und dem Selbstbetrug vor, mit dem wir bei uns dem Niedergang begegnen.

Verengter Blick auf die Minderheit der Rechtsextremisten by Stephan Detjen from deutschlandfunk.de

Stephan Detjen nüchtern über die Bilder vom Samstag und die darauf folgende Diskussion. Ich hatte am Samstag kurz davor gewarnt, das Ganze symbolisch aufzuladen und damit das Geschäft jener zu betreiben, die über die Demos Destabilisierung betreiben. Aber natürlich funktionieren Medien und Politik nicht so, und wir haben stattdessen eine Bannmeilen-Debatten. Als wäre das in irgendeiner Form die Lösung.

Die ganze Konstellation ist schwer einzuschätzen. Ich sehe auf Social Media, dass ich Demo-Teilnehmer aufregen, dass seit Samstag Reichsbürger in den Chatgruppen den Ton angebe. Manche/r wird sich davon abgeschreckt zeigen, anderen wird das egal sein. Eine Analogie wären Fußballfans und Neonazis: Einige stören Neonazis in der Kurve nicht, andere wenden sich ab, für die Neonazis wiederum ist das eine gute Möglichkeit, Präsenz und auch Haltungen zu normalisieren.

Die Dinge spielen sich in Dark Social ab, deshalb sind die Dynamiken schwer zu überblicken. Weil der Vergleich zur Tea Party 2010 gezogen wurde: Auch hier ging es darum, durch Präsenz (z.B. bei Abgeordneten-Veranstaltungen im Wahlkreis) darum, medienwirksam aufzutreten und größer zu erscheinen, als man tatsächlich war – und auch darum, ein „Ventil“ für Wut zu symbolisieren.

Das führte zu Aufmerksamkeit, Content und Medienberichterstattung und damit auch zu Wachstum (recht schnell floss dann Geld der Koch-Brüder, was die Strukturen professionalisierte). Deshalb nehme ich an, dass nach der symbolischen und politischen Abarbeitung an den Reichtstagsbildern die nächste Demo mit mehr Teilnehmern rechnen kann. An der Ablehnung dieser Proteste durch ca. 90 Prozent der Bevölkerung muss das nichts ändern; wohl aber am Konfliktpotenzial vor Ort, wenn eine sechsstellige Zahl von Menschen sich Richtung Reichstag orientiert und nur ein Bruchteil davon erneut den Durchbruch versucht. Auch das würde wahrscheinlich weitere Bilder erzeugen, sich anschließende Diskussionen und letztlich eine Relevanz, deren Nukleus auch im Umgang mit dem Ursprungsmoment am Samstag liegt.

Nach acht Jahren Doppelspitze Kipping/Riexinger – Stabilität mit Schattenseiten [AUDIO] by joha from ondemand-mp3.dradio.de

Oben mein Kommentar zur Bilanz Kipping/Riexinger als MP3, hier das Manuskript:

„In ihrem Rückzugsschreiben hat Katja Kipping der Linkspartei beschieden, mitunter recht rauflustig zu sein. Damit hat sie wohlgemerkt nicht den Umgang mit dem politischen Gegner gemeint. Sondern den Umgang untereinander.

Rauflustig, das ist noch freundlich formuliert. Die Linke hat inzwischen eine erstaunliche Tradition vorzuweisen: Die Mischung aus unterschiedlichen Strömungen, dem Hang zu Grundsatzdiskussionen und manch ausgeprägten politischen Eitelkeiten führt die Partei regelmäßig in die Sackgasse.

Aber immerhin nicht mehr an den Rand des Abgrunds. Das ist ein Verdienst, an dem Kipping und ihr Kompagnon Bernd Riexinger maßgeblich Anteil haben: Als die beiden auf dem Göttinger Parteitag 2012 gewählt wurden, war die Atmosphäre zwischen Ost- und Westteil der Partei vergiftet. Ein Auseinanderbrechen oder der Weg ins politische Nirgendwo schien damals möglich.

Heute spielt der Ost-West-Konflikt keine Rolle mehr. Die Partei ist in den vergangenen acht Jahren stabiler geworden – trotz öffentlicher Streitereien und einiger sektiererischer Landesverbände. Der Weg ins politische Establishment hat sie in Gestalt von Bodo Ramelow sogar erstmals in eine Staatskanzlei geführt.

Weitere Erfolge: Politische Forderungen wie der Mindestlohn sind Realität, auch wenn ihn andere Parteien umgesetzt haben. Selbst die geforderte Abkehr von Hartz IV erscheint in einer grün-rot-roten Koalition im Bund möglich. Mit dem umstrittenen Mietendeckel in Berlin hat die Linke zudem ein weiteres Politikfeld erfolgreich besetzt.

All das kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Linke unter ihren Möglichkeiten bleibt. Von der Schwäche der SPD kann sie derzeit nicht profitieren. Und der Wunsch zahlreicher Parteioberer, im Bund mitzuregieren, stößt bei Teilen der Basis durchaus auf Misstrauen. Die möglichen Partner SPD und Grüne haben einige berechtigte Fragen, wie verlässlich und vorbereitet die Linke bei einen Bund im Bund wäre.

Hinzu kommen strukturelle Probleme: Protestwähler sind zur AfD oder ins Nichtwählerlager gewandert. Die Linke hat sich neue progressive Wählergruppen erschlossen, bei denen sie allerdings mit Grünen und SPD konkurriert. Im Osten ist die Partei rapide gealtert und kann die Kommunalpolitik vielerorts nur noch leidlich bedienen; im Westen wiederum wird die Partei jünger, was allerdings bislang nichts daran ändert, dass die Linke bei Landtagswahlen in westdeutschen Flächenländern nur selten über fünf Prozent kommt.

Warum Linke wählen? Und: Wen spricht die Partei an und mit welchen Mitteln? Auf diese Fragen findet die Partei aktuell noch keine befriedigende Antwort.

Auch das gehört zur Bilanz der Ära Kipping/Riexinger. Es ist deshalb aus Sicht der Linkspartei folgerichtig, dass die Parteivorsitzenden der Satzung folgen und nach acht Jahren den Weg frei machen für eine neue Doppelspitze.“