„Die Utopie hat plötzlich das Lager gewechselt. Heute sind diejenigen Utopisten, die glauben, dass alles so weitergehen kann wie zuvor.“

Zitiert nach Pablo Servigne und Raphaël Stevens: Comment tout peut s’effondrer (2015) (via)

Siehe auch meine Defintion Kollapsologie:

Die interdisziplinäre „Forschung über den Zusammenbruch der thermo-industriellen Zivilisation“ (Wiki) hat ihren Schwerpunkt in Frankreich, ist aber aus der Romantik hergeleitet und in der Umwelt- und Klimabewegung anschlussfähig. Nachdem der Akzelerationismus (beschleunigt den Kapitalismus, bis er zusammenbricht) nach rechts gewandert ist, gibt es nun eine weitere Endzeit-Alternative. Ob es sich dabei um Forschung handelt („wird es Gated Communities geben, die sich dem Zusammenbruch entziehen?“) oder Religion (Sehnsucht nach der Tabula rasa), wird sich allerdings offenbar erst noch herausstellen.

“Between the High Middle Ages and the Enlightenment, the alchemic dream misled many otherwise authentic Western humanists. The illusion prevailed that the machine was a laboratory-made homunculus, and that it could do our labor instead of slaves. It is now time to correct this mistake and shake off the illusion that men are born to be slaveholders and that the only thing wrong in the past was that not all men could be equally so.”

Ivan Illich, zitiert via L.M. Sacasas. Das zentrale Argument: Menschen benötigen neue Werkzeuge. Was sie nicht benötigen, sind Werkzeuge, die für uns komplett die Arbeit übernehmen – wobei er auch Maschinen oder Institutionen als zivilisatorische Werkzeuge betrachtet.

Denn diese Vorstellung führt zu einer Verselbständigung des Konzepts, und einer Umkehr in der Wirkung: Wir verschwinden in den Logiken der Werkzeuge und setzen alles daran, sie zu erfüllen. Der Moment, in dem uns unsere Werkzeuge zu Erfüllungsgehilfen machen (statt umgekehrt), ist dabei für Illich der entscheidende: Ihn gilt es, zu erkennen und entsprechend entgegenzuwirken – nicht mit Zerstörung, sondern durch Beschränkung.

Das Konzept ist inzwischen fast 50 Jahre alt und dennoch im Kontext Technikfolgenabschätzung weiterhin aktuell.

19th News by an author

Ein journalistisches Portal zur US-Politik, von Frauen, für Frauen. Bei einer Zielgruppe von 165 US-Einwohnerinnen und einem feministischen Zeitgeist innerhalb der Progressiven ist das eine Idee, die sicher funktionieren könnte. Aber eben nicht in Deutschland bzw. in deutscher Sprache: Die Ausdifferenzierung über Einzel-Newsletter und Sammelprojekte, die bestimmte Nischen und Interessen bedienen, wird angesichts der überschaubaren D-A-CH-Marktgröße jenseits einzelner Projekte nicht tragfähig sein.

Damit wird nach der Modernisierungswelle durch VC-finanzierte Neumedien ein weiterer US-Trend Deutschland nicht erreichen. Keine guten Aussichten angesichts einer Mischung aus sklerotischen Strukturen und immer prekäreren Arbeitsbedingungen. Ich denke, dass trotz aller Definitionsprobleme die Anerkennung von Gemeinnützigkeit im Journalismus die besten Aussichten hätte, zumindest einzelne Teile der wegbrechenden privaten Medienstruktur aufzufangen.

(via Christian Fahrenbachs Newsletter)