Google Wants to Remix News Radio Just for You by Boone AshworthBoone Ashworth ([object Object])
The company’s latest news product is an ever-replenishing playlist of audio stories—curated, in part, by the wealth of data it has on you.

Frische, Schlagworte, Aufenthaltsort: Das sind die Parameter, aus denen Google für seine Podcast-Software ein personalisiertes Wort-Radio bauen will. Personalisiert im Sinne von: Podcasts, RSS-Radiobeiträge und vorgelesene Artikel zusammengemischt, als 90-minütiger Stream. Weil personalisierte und nach Meinungsvorlieben geclusterte Inhalte bekanntermaßen üüüüberhaupt nichts mit der gesellschaftlichen Polarisierung zu tun haben. Immerhin kann man sich in der Regel darauf verlassen, dass Google ein an Features reiches Produkt vorlegen wird, das niemand verwendet.

QAnon looms behind nationwide rallies and viral #SavetheChildren hashtags by NBC NBC ([object Object])

Mitte Juli löschte Twitter Konten rund um die QAnon-Verschwörungstheorie, vergangene Woche zog Facebook nach. Zu spät. QAnon ist eine politische Bewegung geworden, in Georgia wird man wohl die erste Kandidatin in den Kongress schicken, die sich mit der Bewegung identifiziert. Die wirkliche Verbreitung ist natürlich weiterhin schwer von den Symbolen der Bedeutungshoheit bzw. Datenbank-Massage zu trennen; gleichzeitig ist die Haltung „gibt’s ja nur im Internet“ bei globalen viralen Phänomen nicht mehr besonders zielführend.

Es gibt eine ganze Reihe von Tangenten, deren Untersuchung sich lohnt: QAnon als Augmented-Reality-Hobby, als politische Bewegung mit missionarischem Charakter und dadurch letztlich als (Polit?-)Sekte mit Endzeit-Erwartungen. Der offenbar erfolgreiche Versuch, via Social Media Cluster von Aktivisten und Organisationen zu unterwandern, die sich gegen sexuelle Gewalt gegen Kinder einsetzen (eine Strategie, wie sie auch Impfgegner einsetzen). Die Memefizierung der Welt. Der Opportunismus der amerikanischen politischen Rechten beim Umgang mit vielversprechenden politischen Randphänomen, von Justin Amash und der Tea Party über Trump und die Birther-Bewegung bis womöglich jetzt zu QAnon.

Xi Jinping is trying to remake the Chinese economy by The EconomistThe Economist (economist.com)

Kabozi Jishu: Derzeit häufig verwendeter chinesischer Begriff – übersetzt ungefähr „umklammernde Technologie“/“Technologie-Umklammerung“ oder, wer es martialischer mag, „Würgegriff-Technologie“. Statt ganze Sektoren anzugehen, priorisieren Wirtschaftsplaner spezielle Schlüsseltechnologien wie Jet-Turbinen, Präzisionsphotolithographie für Halbleiter, Hochgeschwindigkeits-Kugellager für Maschinenwerkzeuge. Diese sind Basis-Technologien für ganze Branchen und deshalb ist es entsprechend wichtig, sie im Wettbewerb um technologische Hoheit (mit den USA und anderen Ländern) zu besetzen.

Kamala Harris's Big Tech Connections by New York Times (nytimes.com)
Silicon Valley has enthusiastically backed Ms. Harris since she first ran for state attorney general in California a decade ago.

A crackdown on Big Tech is not a public pillar of [Joe Biden’s] agenda. Of the 46 policy papers listed on the campaign’s website, none directly address his plan for the industry. And employees and allies of the major technology companies are prominent within the nearly 700-person committee advising the campaign on tech policy.

Would breaking up 'big tech' work? What would? by Benedict Evans ([object Object])

Das Argument rund um Technologie-Konzerne läuft in Deutschland meistens so: „Ich finde, man sollte die Tech-Firmen zerschlagen.“ Details bleiben in der Regel aus. WIE die Zerschlagung aussehen soll, ist dabei genauso vage wie die Frage, WAS damit erreicht werden soll: Eine stärkere Distribution von Daten? Von Kunden-Wahlmöglichkeiten? Wer sind überhaupt die Kunden – Nutzer oder Werbekunden?

Benedict Evans nimmt genau das Problem auf: Er argumentiert zum Beispiel, dass die Aufspaltung von AT&T (1980er in den USA( in regionale Telefongesellschaften nicht zu mehr Auswahl geführt hätte. Wichtiger Punkt – denn eine „Gesundung des Marktes“ kann am besten gelingen, wenn sie auf einem Ökosystem ähnliche Voraussetzungen stattfindet. Allerdings lag das im „wie“ der regionalen Aufspaltung, nicht im „dass“.

Aber um auf das ideal eines flachen Ökosystem zurückzukommen: Wie ist das angesichts von Datenmengen, R&D in Machine Learning etc. der Großtechnologiekonzerne überhaupt möglich? Eine knifflige Frage (ein Projekt, das ich gerade angehe: Regulierungsvorschläge sammeln und vergleichen).

P.S.: Zum Thema Eigentumsstrukturen, das indirekt damit zusammenhängt, habe ich vor längerer Zeit hier einmal etwas geschrieben:

Eigentumsstrukturen

Philosophers On GPT-3 (updated with replies by GPT-3) by Daily NousDaily Nous (dailynous.com)

Diese kurzen Essays von neun Philosophen und Philosophinnen zur künstlichen Sprachintelligenz GPT-3 machen Lust auf mehr. Beziehungsweise deuten an, dass die Suche kognitiver Kategorien für intelligente Software wie GPT-3 zu den spannendsten Feldern der aktuellen Philosophie werden könnte. Natürlich durch den Komplex „Was ist Intelligenz minus Bewusstsein? Mehr als ein Toaster.“ mit einer kleinen metaphysischen Note versehen.

Als Appetithappen ein Auszug von David Chalmers:

„GPT-3 does not look much like an agent. It does not seem to have goals or preferences beyond completing text, for example. It is more like a chameleon that can take the shape of many different agents. Or perhaps it is an engine that can be used under the hood to drive many agents. But it is then perhaps these systems that we should assess for agency, consciousness, and so on.“

For Robots, It’s a Time to Shine (and Maybe Disinfect) by Lisa Prevost (nytimes.com)
The pandemic has turned cleaning and other mundane building tasks into a challenge, stoking interest in machines as cost-effective solutions.

Im Kern dieses Stücks: Fortschreitende Automatisierung durch die Corona-Krise. In diesem Fall im Bereich Gebäudereinigung. Solche Geschichten gibt es aus den USA zuletzt häufiger: Die amerikanischen Schlachtfabriken stellen auf Schlachtroboter um, um Corona-Infektionen und Schließungen zu vermeiden. Abhol-Möglichkeiten für Online-Bestellungen in Supermärkten werden zügig ausgebaut (ein Beispiel für die Backend-Technologie dahinter: Shuttle-Roboter, die aus einem Lager mit ca. 10 000 Artikeln etwa 80 Prozent einer regulären Bestellung innerhalb von fünf Minuten zusammensuchen können).

Social Distancing und das Risiko in Menschenansammlungen werden die Automatisierung in den USA beschleunigen, um fünf Jahre mindestens, würde ich tippen. In Deutschland werden die Trends dann mit einigem zeitlichen Abstand ankommen, sofern sich die Voraussetzungen und Einsparmöglichkeiten ähneln.

How Tim Cook Made Apple His Own ($) by Tripp Mickle (wsj.com)

Das WSJ mit einem längeren Portrait Tim Cooks als Führungskraft. Die Bilanz: Ein vorsichtiger CEO, der auf bestimmte Details fokussiert ist, einen Produktionsketten- statt Produktfokus hat. Mit dem Aktienrückkaufprogramm und üppigen Dividenden hat er auch die konservativsten Investoren befriedet. Chris Deayer, ein ehemaliger Mitarbeiter des R&D-Teams, beschreibt die Firmenstrategie so:

“This is what most people don’t understand: Incremental is revolutionary for Apple. Once they enter a category with a simply elegant solution, they can start charting the course and owning that space. No need to break speed records, just do it organically.”

Die aktuellen Zahlen geben Cook und seiner Strategie seit Jahren recht. Brad Slingerlends fällte jüngst in seinem Newsletter dennoch ein vernichtendes Urteil:

„Tim Cook has taken bold and innovative products, developed over a decade ago by Steve Jobs, and run a risk-averse, 1900’s Industrial Age, MBA playbook focused on squeezing users to create more value for shareholders. Apple today appears to value what Warren Buffett thinks of its share buybacks more than it values what its customers think of its products. In the year 2020, that is the riskiest strategy any CEO could plot for a company.“

Die Staffel „Apple, die riskanten 2020er“ hat längst begonnen. Nicht, weil das Service-Narrativ nicht funktionieren wurde (das tut es, alleine schon ob der schieren Nutzerbasis). Sondern weil Apple der wahrscheinlich exponierteste Konzern im offen ausgetragenen US-China-Konflikt ist.

TikTok and the Sorting Hat by Eugene WeiEugene Wei ([object Object])

Wenn es nur einen Text über TikTok gebt, den man derzeit lesen sollte, dann dieses Essay von Eugene Wei. Der geht nicht nur darauf ein, warum der Algorithmus bei TikTok noch viel wichtiger (und besser) als bei Facebook ist, sondern zieht auch Verbindung zum Interest Graph – der punktgenauen Erfassung von Interessen, an denen sich dann der ausgespielte Inhalt orientiert und Nutzer bindet.

„But what if there was a way to build an interest graph for you without you having to follow anyone? What if you could skip the long and painstaking intermediate step of assembling a social graph and just jump directly to the interest graph? And what if that could be done really quickly and cheaply at scale, across millions of users? And what if the algorithm that pulled this off could also adjust to your evolving tastes in near real-time, without you having to actively tune it?“

Wei hat auch eine ganz interessante Theorie, warum ein chinesisches Produktteam den amerikanischen Markt geknackt hat. Trotz der Tatsache, dass das (gegenseitige) kulturelle Verständnis fehlt. Die TikTok-Software abstrahiert demnach die kulturelle Ebene einfach weg, weil Lernen aus Verhalten + Zuweisung von Interessenskategorien im Backend so fantastisch funktionieren.