…und damit meine ich nicht, dass man ActivityPub-Anschluss auf die Roadmap nimmt. Sondern dass Tumblr mit Goncharov erstmals wieder ein Meme mit XXL-Nutzerbeteiligung und relevanter kultureller Reichweite produziert.

Was ist Goncharov? Ein Scorsese-Film von 1973, der nie existiert hat. Knowyourmeme:

Goncharov is a non-existent 1973 movie about a Russia-born Mafia boss named Goncharov directed by Martin Scorsese, which spawned a spontaneous collective writing project and an unreality fandom on Tumblr in November 2022. As a part of the fandom efforts, users collectively outlined the central themes, plot elements and homoerotic undertones of the film and created fan soundtrack, posters and other content for it. Goncharov has also since been referenced in numerous memes and other jokes.

Diese Mischung aus Fandom & Unreality ist auf keiner anderen Social-Media-Plattform möglich.

David Brooks war für den Atlantic mit Bono in Dublin unterwegs. Die Überschrift klang vielversprechend: „The Too-Muchness of Bono“. Allerdings – ich hätte es bei David Brooks ahnen müssen – ist diese Too-Muchness keine verblümte Kritik an Bono, sondern die Charakterisierung als „Maximalist in allem, was er tut“. Was ja letztlich ein Lob ist.

Ich persönlich fand mich bei „Too-Muchness“ eigentlich total abgeholt. Würde sie doch das beschreiben, was wir im Deutschen mit dem schönen Wort „überkandidelt“ beschreiben.

Die WM-Werbespots von Nike und Adidas zu vergleichen, ist auf mehreren Ebenen interessant: Welche Stars wo unter Vertrag sind, welches Fußball-Bild transportiert wird – und in diesem Jahr, wie CGI (Computer Generated Imagery) genutzt wird.

Nike geht dabei in die Vollen, lässt die Stars von heute gegen die gerenderten Ronaldinhos und Edgar Davids in Blütezeit antreten. Das Ganze ist voller CGI und hat auch ganz klar Computerspiel-Ästhetik.

Adidas dagegen spielt das Familienthema, ein eher klassisches, romantisierendes Sport-Bild also (unpolitisch im Kontext Katar sind beide Marken). Aber auch bei Adidas kommt CGI vor: Nämlich als Messi gegen sein früheres Ich Tischkicker spielt.

Die Zeit veröffentlicht einen Vorabdruck aus Theo Sommers Memoiren. Titel: Mein Ideal einer (fast) vollkommenen Zeitung. Einstieg: Ein nörgelndes Schopenhauer-Zitat zur Pressefreiheit. Das altbekannte Zitat von Hajo Friedrichs wird mal wieder gedroppt.

Fast zeitgleich beschreibt Mia Sato bei The Verge die anhaltenden Malaise des ehemaligen Zukunftsmedienimperiums Buzzfeed. Titel: The unbearable lightness of BuzzFeed. Einstieg: Eine Reddit-Posterin findet ihre intimen Schilderungen zum eigenen seelischen Gesundheitszustand in einer Buzzfeed-Liste wieder. Das prachtvolle Wort „Clickbait-Fiesta“ fällt.

Ich bin ratlos, würde aber gerne herausfinden, welche Wahrheit über unsere gegenwärtige Medienwelt, ja vielleicht über unser gegenwärtiges Leben sich hinter dieser Synchronizität verbirgt.

Heute gelernt: Dennis Wilsons 1975 aufgenommener und unvollendet gebliebener Song „Holy Man“ wurde 2008 von Foo-Fighters-Drummer Taylor Hawkins fertig gestellt. Und Überraschung: Das Stadionrock-artige Ende gehört tatsächlich zum Original, nur die Produktion gibt dem Ganzen dieses zeitgemäße und doch aus der Zeit gefallene Epische.

With the ego of a lambThe holy manCome the swagger of the dustYou know he canTurn the corner all aloneHe meets you thereHoly man will meet you there

Ein relativ wohlwollendes Porträt über Mathias Döpfner im New York Magazine. Was auch immer man von Springer und Döpfner selbst halten mag: Ihm selbst ist geschäftlich durchaus hoch anzurechnen, dass er zumindest den Eindruck hinterlässt, für seine Führungspositionen Menschen mit einem Blick nach vorne und Veränderungswillen auszuwählen. Damit unterscheidet er sich von den Chefs vieler anderer deutscher Medienunternehmen, die trotz großer Veränderungen eine eher konservative Linie gewählt haben. Inwieweit er dabei in der Vergangenheit auch Hochstaplern aufgesessen ist, steht natürlich auf einem anderen Blatt Papier.