Kamala Harris's Big Tech Connections by New York Times (nytimes.com)
Silicon Valley has enthusiastically backed Ms. Harris since she first ran for state attorney general in California a decade ago.

A crackdown on Big Tech is not a public pillar of [Joe Biden’s] agenda. Of the 46 policy papers listed on the campaign’s website, none directly address his plan for the industry. And employees and allies of the major technology companies are prominent within the nearly 700-person committee advising the campaign on tech policy.

Poland's Presidential Election: It's the Economy, Stupid by Mitchell Orenstein (fpri.org)

Die polnische Präsidentschaftswahl, analysiert von Mitchell Orenstein vom Foreign Policy Research Institute: Seine Lesart ist kein 50/50-gespaltenes Land, sondern eine PiS, die es mit der Identitätspolitik übertrieben hat und so beinahe die Unterstützung der deutlich größeren Mehrheit verspielt hätte, die sie wegen ihrer Wirtschafts- und Sozialpolitik genießt. Er zitiert auch eine CBOS-Umfrage von 2019 und zieht daraus seine Schlüsse:

– 68 Prozent unterstützen die Gleichberechtigung Homosexueller, sei es aus Toleranz oder Überzeugung.
– Unterschiede zwischen 2013 und 2019: Von einer Oligarchie reden nur noch 13 statt 31 Prozent, die Zahl derer, die von Polen als Mittelschichtsgesellschaft sprechen, hat sich von 14 auf 28 Prozent verdoppelt.
– Die oppositionelle (und europafreundliche) Platforma Obywatelska wird mit ihrer Deregulierung und Rentenalter-Erhöhung in Verbindung gebracht.

Was lässt sich daraus folgern über das Demokratieverständnis in Polen? Orenstein formuliert es als Frage: „Is democracy procedural, about how governmental institutions function? Or substantive, about whether a majority benefits from government policy?“ Letzteres lässt sich auch auf Ungarn anwenden, wo das Vertrauen in die Demokratie in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Die Unterstützung für Demokratie kann, Michael Ignatieff hat darauf einmal hingewiesen, sich auf Elemente wie freie Wahlen beschränken und muss nicht unbedingt die sie stützenden Institutionen wie eine unabhängige Gerichtsbarkeit oder freie Medien einschließen.

How Covid-19 Signals the End of the American Era by Wade DavisWade Davis ([object Object])
Anthropologist Wade Davis on how COVID-19 signals the end of the American era

„There have always been stupid people in the world, and plenty of nasty people too. But rarely has stupidity been so nasty, or nastiness so stupid”.

Abgesänge auf die USA lese ich nur noch kursorisch, dieser hier ist mit Zahlen und Kontext unterfüttert, dazu in seiner Diagnose präzise.

Foreign Exchanges by Derek DavidsonDerek Davidson (fx.substack.com)

Inzwischen habe ich wieder eine Reihe zahlungspflichtiger Substack-Abos, darunter seit einer Woche auch Foreign Exchanges von Derek Davidson (fünf Dollar im Monat). Das Konzept: Was politisch auf jedem Kontinent, von Land zu Land, passiert ist. Wenn etwas passiert ist. In Kurzform, meist einen längeren Absatz lang. So ungefähr wie der Economist-Wochenrückblick als tägliches Format, aber mit etwas mehr Kontext und zum Beispiel auch an neuen Studien, Essays, Policy-Papers etc. aufgehängt.

Davidson kommt eher aus dem linken Lager, spart sich trotz lesbarer Haltung aber in der Regel Snark und stärkere Einfärbungen, so mein Eindruck. Für mich schon nach wenigen Tagen ein kleines Frühinformationssystem, was sich wo auf der Welt zusammenbraut und was ich bei Economist, BBC etc. demnächst genauer verfolgen sollte. Ich drücke die Daumen, dass die Abo-Zahlen den Aufwand belohnen.

„Jonathan Swan’s utterly polite and unrelenting scepticism really highlights the fact that the default mode of US network interviewers is high deference. Even when they are contesting Trump’s claims, they treat him as though he’s a grand eminence. Swan is much more ‚headmaster who knows you broke into the sports cupboard because he can see the deflating football behind your back‘.“

Helen Lewis, The Bluestocking Newsletter

Radio Open Source: Nicholson Baker by Radio Open SourceRadio Open Source from radioopensource.org

Nicholson Baker hat sich für sein neues Buch auf die Spuren von Chemiewaffen-Programmen der USA in den Fünfzigern begeben. Er erzählt im „Open-Source“-Podcast über einen ungewöhnlichen Streit der Institutionen: Und zwar hatte die amerikanische Luftwaffe Ende der 1940er zunächst ein, dann drei Stockwerke in der Library of Congress übernommen. Dort arbeiteten CIA- und Pentagon-Mitarbeiter daran, auf Karten Bombardierungsziele in der Sowjetunion zu identifizieren.

Die Bibliothek, die ja sozusagen das kulturelle Gedächtnis des Landes beherbergt, wollte sich zunächst dagegen wehren; mit dem Beginn des Korea-Krieges schwenkte man um: Die Library of Congress versicherte Loyalität und schuf Platz, indem man in der Bücherei gelagertes Material „entsorgte“. Für Baker nicht nur ein symbolischer Wendepunkt, sondern Teil einer politischen Wende im beginnenden kalten Krieg: noch einmal unwiderruflicher entrückt von einer moralisch nachvollziehbaren Geopolitik, hin zu einer Außenpolitik der Geheimhaltung und rücksichtlichen Interessensdurchsetzung.

Zwei unterschiedliche Betrachungsweisen von Gig-/Plattform-Arbeit und den Veränderungen durch Corona:

Pandemic strengthens China’s platforms as infrastructure providers

Die Böll-Stiftung (USA) mit einer Studie zur Plattform-Ökonomie in China. Durch Corona und die Absage von Wochenmärkten sind inzwischen immer mehr Bauern auf die Plattform, die ihre Waren im Livestream anpreisen (und dann auch über Plattformen verschicken). ICYMI: Livestream-Teleshopping ist ein großes Dinge in China. Plattformen sind hier längst ein symbiotisches Verhältnis mit dem Staat eingegangen, der so auch politische Ziele umzusetzen versucht (zum Beispiel Geringverdiener an die Wirtschaft ankoppeln). Bei genauerer Betrachtung stellt sich die These „Künstliche Intelligenz führt wegen der riesigen Planungsfähigkeiten zur Möglichkeit des Kommunismus“ nochmals als überdreht heraus: Es genügt schon, wenn Firmen die Staatsräson ausführen (auch wenn ich nicht weiß, ob man das dann „Kommunismus“ nennt).

The Gig Economy Is Failing. Say Hello to the Hustle Economy.

OneZero dagegen mit einem Blick auf die amerikanische Gig-Economy, die zur Hustle-Economy wird. Warum? Weil durch Corona zum Beispiel Masseurinnen, Köche oder Journalisten stärker Richtung Plattformen wie Patreon wandern. Als Nebenprojekte (Side-Hustle) nach dem Jobverlust oder während ihre Geschäfte geschlossen sind. Der Unterschied zwischen Hustle und Gig, den Autorin Caitlin Dewey beschreibt: Gig-Arbeiter sind austauschbar – irgendjemand fährt immer Uber. Hustle-Arbeiter dagegen haben ein spezifisches, individuelles Angebot. Beide sind aber von Plattform-Vermittlung abhängig. So steht die Frage im Raum: „Is the platform a tool used by the worker — or is the worker a tool used by tech executives?“