Der Software-Entwickler Peter Clowes, warum er „Twitter 2.0“ nicht mitmachen wollte.

Der ehemalige Twitter-Infrastruktur-Entwickler Dan Luu am 8. November über die technischen Schulden, die Twitter ohnehin schon angehäuft hatte (er glaubt aber trotzdem nicht, dass das negative Auswirkungen auf das Geschäft hat)

Ein langjährige Site-Reliability-Engineer einer großen Plattform argumentiert, dass Twitter zusammenbrechen wird.

Jessica Lessin ($) über die Mitverantwortung der Investoren am FTX-Debakel:

„This seems like an important time to remind everyone that FTX had no board of directors and no audit committee. No board of directors! How do you give a company that much money with literally zero assurances that there is any corporate governance? I ask for more disclosures from companies I angel-invest in. And this comes after Theranos, after WeWork. Remember when Benchmark sent someone to take over WeWork when it wasn’t working? Where was that guy when we needed him?“

Und auch dies hier, aus dem ultimativen Post Mortem bei Milky Eggs, harrt der Antworten:

„FTX is missing about $8 billion dollars‘ worth of users‘ collateral. Even if you consider the sum total of venture investments made by FTX and Alameda together, as well as a marginal drop in collateral value as a result of an FTT price decline, it simply does not make sense for FTX to be $8b in debt. The losses would be significant, yes, but they alone do not constitute a sufficient explanation for FTX’s bankruptcy.“

(Mein Szenario ist so gut wie eures)

Nein, Twitter wird nicht kaputt gehen.

Nicht, was die Infrastruktur betrifft. Dauerhaft, meine ich.

Und: Die aktuelle Twitter-Nahtod-Erfahrung, ausgelöst von einer Mischung aus Hysterie und Twittertodeswunsch, zeigt eben, warum Twitter eben nicht 1:1 ersetzbar ist. Wer dort kulturelles Kapital hat, wird so lange wie möglich bleiben. Zitat Rob Horning:

„Where else do my opinions have any convertible worth? By unilaterally purchasing the vault in which all this social capital is stored (and the primary means by which it circulates and valorizes itself), Elon Musk has created a kind of hostage crisis, but it’s not entirely clear what he wants or if we can simply post our way out of it, even if everyone is posting about him.“

Was also wird passieren? Elon Musk wird Twitter zu einem OnlyFans für Text und Video umbauen. Nein, ich rede nicht von Sex. Sondern von allgegenwärtigen P2P-Paywalls: Für den blauen Haken und bessere Sichtbarkeit, für Abos von Premium-Inhalten (die auch länger als 280 Zeichen sein dürfen). Jeder Nutzer, jede Nutzerin kann auch selbst Premium werden und sich monetarisieren. Vielleicht wird der Zugang grundsätzlich hinter einer Bezahlschranke verschwinden. Oder ich zahle als Marke/Firma, wenn ich mehr als 10.000 Nutzer habe.

Kulturelles Kapital lässt sich für die gegenwärtige Form von „Twitter-Berühmtheit“ nicht so einfach transferieren. Nur die wenigsten Twitterati werden sich die Mühe machen, Zeit in einen Substack-Newsletter zu investieren. Und für 5000 Mastodon-Follower zu posten ist etwas anderes, als 50.000 Twitter-Follower zu bespielen.

Und auf der anderen Seite gilt: Als seltsamer, aber effektiver und vor allem zentraler Informations- und Kommunikationshub kommt für den textfixierten Teil der Online-Menschheit kaum eine Alternative in Frage. Bislang zumindest nicht.

Musk hat also noch Zerstörungsspielraum. Er wird ihn sicher ausnutzen. Aber ich sehe die Netzwerk-Effekte in der Tiefe halten, nicht sich umkehren.

Die WM-Werbespots von Nike und Adidas zu vergleichen, ist auf mehreren Ebenen interessant: Welche Stars wo unter Vertrag sind, welches Fußball-Bild transportiert wird – und in diesem Jahr, wie CGI (Computer Generated Imagery) genutzt wird.

Nike geht dabei in die Vollen, lässt die Stars von heute gegen die gerenderten Ronaldinhos und Edgar Davids in Blütezeit antreten. Das Ganze ist voller CGI und hat auch ganz klar Computerspiel-Ästhetik.

Adidas dagegen spielt das Familienthema, ein eher klassisches, romantisierendes Sport-Bild also (unpolitisch im Kontext Katar sind beide Marken). Aber auch bei Adidas kommt CGI vor: Nämlich als Messi gegen sein früheres Ich Tischkicker spielt.

Die Zeit veröffentlicht einen Vorabdruck aus Theo Sommers Memoiren. Titel: Mein Ideal einer (fast) vollkommenen Zeitung. Einstieg: Ein nörgelndes Schopenhauer-Zitat zur Pressefreiheit. Das altbekannte Zitat von Hajo Friedrichs wird mal wieder gedroppt.

Fast zeitgleich beschreibt Mia Sato bei The Verge die anhaltenden Malaise des ehemaligen Zukunftsmedienimperiums Buzzfeed. Titel: The unbearable lightness of BuzzFeed. Einstieg: Eine Reddit-Posterin findet ihre intimen Schilderungen zum eigenen seelischen Gesundheitszustand in einer Buzzfeed-Liste wieder. Das prachtvolle Wort „Clickbait-Fiesta“ fällt.

Ich bin ratlos, würde aber gerne herausfinden, welche Wahrheit über unsere gegenwärtige Medienwelt, ja vielleicht über unser gegenwärtiges Leben sich hinter dieser Synchronizität verbirgt.

Regierungssprecher Steffen Hebestreit hatte bislang Schwierigkeiten, in der Kommunikation aus dem Kanzleramt eine nachvollziehbare Linie zu finden. Was auch an seinem Chef und dessen Verständnis von Medienarbeit liegen dürfte.

Mit dem Foto vom Gipfel in Bali ist ihm allerdings ein Coup gelungen, denn es ist meines Wissens nach das einzige von dieser Situation (das Weiße Haus zieht in den Fotomedien Fotokacheln der Pete-Souza-Schule vor, scheint mir). Und es zeigt Olaf Scholz, wie zwar nicht alle Augen der anderen G-Leader auf ihn gerichtet sind. Aber die Gruppe eben doch darauf zu warten scheint, was der Olaf in dieser kritischen Situation zu sagen hat.

Was zwar, glaube ich, nicht so recht seinem echten Standing entspricht. Aber nachdem man schon nach dem Macron-Mittagessen in Paris hemmungslos Harmonie-Spins rausgetrommelt hat, lässt sich auch das Fotostory-Projekt „Olaf Scholz, ein echter truly World Leader“ gut an.

Heute gelernt: Dennis Wilsons 1975 aufgenommener und unvollendet gebliebener Song „Holy Man“ wurde 2008 von Foo-Fighters-Drummer Taylor Hawkins fertig gestellt. Und Überraschung: Das Stadionrock-artige Ende gehört tatsächlich zum Original, nur die Produktion gibt dem Ganzen dieses zeitgemäße und doch aus der Zeit gefallene Epische.

With the ego of a lambThe holy manCome the swagger of the dustYou know he canTurn the corner all aloneHe meets you thereHoly man will meet you there