Apple verkauft als Fortschritt, dass man für ein Abo von Apple Fitness Plus keine Apple-Uhr mehr braucht, sondern nur noch ein iPhone. Ist schon fein, eine Plattform zu haben: Erst verknappt man den Zugang zu einer App, um den Verkauf des Accessoires (Watch) anzukurbeln. Und dann löst man diese Voraussetzung auf – und kann das als Fortschritt verkaufen.

Ich hatte mit Theo Sommer während meiner Zeit als Community-Redakteur bei ZEIT Online nur einmal zu tun, und das nur indirekt. Er hatte in einem Leitartikel über den Afghanistan-Einsatz die englischen „billions“ zu deutschen „Billionen“ gemacht. Der erste Leserhinweis kam ungefähr 30 Minuten nach Veröffentlichung, worauf ich ihm eine E-Mail schrieb. Als anderthalb Tage später noch keine Antwort vorlag, änderte ich die Zahl selbständig.

Etwa acht Wochen später erhielt ich eine E-Mail von Sommers Sekretärin: Der Hinweis auf den Fehler sei korrekt, ich könne ihn korrigieren.

Für mich symbolisierte das damals irgendwie auch die ZEIT, die Arbeitsweise dort und die Hierarchien im Journalismus. Beeindruckt hat mich allerdings Sommers Formulierungspräzision in der Analyse. Und sein Selbstbewusstsein, sich auch aus der Ferne Urteile über die aktuellen Verhältnisse vor Ort zuzutrauen und in den geopolitischen Kontext zu setzen, ob das nun Indien, Afghanistan oder Syrien betraf.

Nun ist Theo Sommer im Alter von 92 Jahren gestorben.

 

Gut, dass sie zurückgetreten ist. Schlecht, dass es so lange gedauert hat. Bedauerlich, dass sie sich in ihrer Erklärung zum Opfer macht. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland braucht in den nächsten Jahren alle Verbündeten, die er bekommen kann. Das geht nur über Glaubwürdigkeit und Korrektheit. Der Fall wird noch lange nachhallen und argumentativ ausgeschlachtet werden.

Ich kriege diverse Debatten du jour mit, aber vergesse sie gleich wieder. Ich bin inzwischen recht schnell, das unter den Bereich Wohlstandsdebatten zu packen.

Wenn Musiker ein Konzert abbrechen müssen, weil sie weiß sind und Rastas tragen, sind das Ausprägungen des Wohlstandsprogressivismus. Wenn die FAZ glaubt, wegen irgendwelcher blöden Tweets ihres Korrespondenten in einem Leitartikel die Regenbohnen-Fahne vor dem Kanzleramt zum Symbol eines zweifelhaften Staatsverständnisses zu machen, dann sind das Ausprägungen des Wohlstandskonservatismus.

Nichts von dem sollte eigentlich einen größeren Teil unseres Zeitbudgets in Anspruch nehmen, und doch scheinen einige Menschen versessen darauf, über nichts mehr anderes zu diskutieren.